„Scheiße, ich hab eine Beziehung.“ Dieser Gedanke geht mir durch den Kopf, während ich bäuchlings im Korallensand einer kleinen Malediveninsel liege. Verloren im Indischen Ozean, der Mond scheint, und Barbara massiert meinen Rücken. Die perfekte Idylle. Wenn nicht diese Erkenntnis wäre. Barbara hat mich überlistet. „Bezeichnen wir es als unverbindliche Gelegenheitsgeschichte“, hat sie mir vor zwei Monaten ins Ohr geflüstert. Und ich hab den Köder geschluckt wie ein ausgehungerter Goldfisch. Doch wie kam es dazu?

An einem verregneten Novembertag, nach dem üblichen Trick mit der Einladung zum Abendessen, bat Barbara um einen Gefallen. „Glaubst, kannst du mir ein Bild aufhängen? Ich weiß, das ist die falsche Frage bei der ersten Einladung, aber ich schaff es einfach nicht. Dafür kriegst auch was Gutes zu essen.“ Auf Abwechslung in meinem Speiseplan hoffend, sagte ich zu und versprach, das nötige Werkzeug mitzubringen. Doch wie es Problemfrauen gibt, so gibt es auch Problem-wände und Barbaras Worte: „Ich schaff es einfach nicht“, hätten mich misstrauisch machen müssen.

(.....)

„Heute Abend wirst du den besten Sex deines Lebens haben! Und danach gehen wir nackt ins Meer schwimmen“, flüstert Barbara in mein feuchtes Ohr, während sie wie ein Tintenfisch an mir hängt. Gar nicht unangenehm ... Das warme Wasser verstärkt mein Empfinden um ein Vielfaches. Dennoch will ich diesen Urlaub nicht in einem Gefängnis in Malé verlängern, weil wir nach dem Sex nackt über die Insel gehüpft sind! „A Salam alaikum! Wir sind in einem islamischen Land! Außerdem, schau dir unsere Hütte an. Da kannst du nicht mal Zeitung lesen, ohne dass es die ganze Insel hört. In der Früh schnarchen wenigstens alle, aber am Abend ...“
Mein Hinweis hat seine Berechtigung. Die Unterkünfte sind fensterlos, besser gesagt, ohne Glas in den Fensterrahmen, nur uneinsehbare, aber luftdurchlässige Holzsprossen.


Gut für die Sauerstoffzirkulation, aber ein schlechter
Schallschutz. Bei morgendlichen Inselrunden kann man aus
jeder zweiten Hütte unterdrücktes Stöhnen hören, gefolgt von
zurechtweisendem Geflüster. Diese Insel wäre das Paradies
für Akustikspanner, denn zu sehen gibt es nichts!
„Ich werd auch ganz leise sein“, süßelt Barbara, die linke
Hand als Überzeugungshilfe in meiner Badehose.
„Na, da bin ich mal gespannt.“
Nach dem allabendlichen Spaziergang, diesmal ganz
romantisch unter Vollmond, passiert das Erwartete ...
„Gemma hinein?“
Bei dieser Frage blinkert Barbara mit eindeutigem Augen-
aufschlag und schiebt mich durch die Tür in Richtung Bett.
„Zumachen!“
„Ja, ja, gleich“, artikuliert Barbara atemlos durch ihr T-Shirt,
während sie es sich über den Kopf zieht.
Zwei unübersehbare, plötzlich mitten im Raum schwebende
Planeten lassen mich die Tür schnell selbst schließen. Nur
keine unnötige Aufmerksamkeit erregen.
Während ich mich umdrehe, ist Barbara schon dabei, meine
Badehose der Schwerkraft zu opfern, drückt mich dominant
auf die Matratze und lächelt.
„Na, und jetzt?“
„Wart ab“, schnurrt Barbara.